Wie mein Vater für die Zukunft fischt

Taucht ein in die bunte Welt unserer Ozeane und findet heraus, wie wir die Überfischung stoppen können

Ich liebe das Meer. Es ist so wild und riesig. Ich mag, wie es mal rau und stürmisch, mal ruhig und still ist.

Das bin ich mit meinem Vater. Er verbringt sein Leben auf See. Und er liebt das Meer noch mehr als ich, weil er ein Fischer ist.

Habt ihr euch schon unseren Film angeschaut? Dann habt ihr sicher auch schon darüber nachgedacht, wie wir unsere Meere nachhaltiger nutzen können.

Jetzt wird es Zeit für ein neues Abenteuer. Kommt ihr mit? Mein Vater und ich reisen in das blaue Herz unseres Planeten – ins Meer.

Und dabei finden wir heraus, warum wir als Menschen das Meer brauchen, wie das Meer sich verändert und was wir für den Erhalt gesunder Meere tun können.

Warum brauchen wir das Meer?

Die Ozeane bedecken
mehr als 70% der Erdoberfläche...

...und liefern die Hälfte des Sauerstoffs, den wir zum Überleben brauchen.

Ohne Wasser kann es kein Leben geben. Ohne das Blau gibt es kein Grün.

Das Meer ist riesig

Das Meer ist so riesig, dass der Großteil davon noch unerforscht ist. Die Wissenschaftler wissen gar nicht genau, wie viele Arten von Pflanzen und Tieren in unseren Ozeanen leben, aber einige sind davon überzeugt, dass mehr als 90% der Arten noch gar nicht entdeckt worden sind.

In einem Punkt sind sich aber alle einig: Die Ozeane sind das Zuhause einer außergewöhnlichen Vielfalt an Pflanzen und Tieren.

Von bunten Korallenriffen in der Südsee bis hin zum Arktischen Ozean mit seinen schweren Eisschollen – das Meer ist voller Leben und Vielfalt.

Und dieses Lebens ist von entscheidender Bedeutung für unser Überleben. Zum Beispiel sind weltweit mehr als eine Milliarde Menschen von Fisch als Nahrungsmittel abhängig, und jeder zehnte Mensch verdient seinen Lebensunterhalt mit der Fischerei oder der Fischverarbeitung.

Wir sind auf die bunte Vielfalt der Ozeane angewiesen: Fisch ist das meistgehandelte Lebensmittel der Welt – der Fischhandel ist größer als der Handel mit Tee, Kaffee, Bananen und Zucker.

Das Meer in Gefahr

Doch obwohl sie so wichtig sind, stecken unsere Ozeane in großen Schwierigkeiten: Sie sind vielen verschiedenen Bedrohungen ausgesetzt, dazu zählen neben der Erwärmung der Meere und der Verschmutzung durch Plastik vor allem die Überfischung, illegale Fischerei und die Zerstörung von Meeresböden und empfindlichen Lebensräumen durch Fischereien.

All diese Probleme haben unsere Ozeane schwer getroffen und bedrohen sowohl die Fischbestände als auch das Leben derjenigen, die vom Fischfang abhängig sind.


Es ist schwierig, sich vorzustellen, wie wichtig die Fischerei für uns ist. Um einen Eindruck zu bekommen, schaut euch die interaktive Online-Karte von Global Fishing Watch an. Dort könnt ihr mithilfe von ultramoderner Technologie verfolgen, wo größere Boote und Schiffe auf der ganzen Welt Fisch fangen. Die Karte zeigt uns allerdings nicht alles, denn viele Fischer, vor allem in Entwicklungsländern, fischen beispielsweise zu Fuß im flachen Wasser oder mit Booten, die zu klein sind, um erfasst zu werden.

1. Geht auf die Webseite http://globalfishingwatch.org/map/.

2. Klickt auf die Play-Taste in der linken unteren Ecke des Bildschirms, um zu sehen, wer im Laufe des Jahres in welchen Gebieten fischt (die blauweißen Punkte). Ihr könnt die Daten ändern, rein- und rauszoomen und euch digital um die ganze Welt bewegen, um mehr zu sehen.

3. Findet einen Ort an der Küste, den ihr schon einmal besucht habt, entweder in Deutschland oder im Ausland. Wie hoch ist die Fischereiintensität (also die Anzahl der blauen Punkte im Zeitverlauf) dort im Vergleich zur Arktis? Ist sie höher? Geringer? Woran könnte das liegen?

Warum schrumpfen die Fischbestände?

1 .Verlieren wir Nemo?

Über Jahrtausende hat der Mensch im Gleichgewicht mit der Natur gefischt und nicht mehr gefangen als das, was er für seinen eigenen Bedarf oder zum Handeln brauchte.

Aber mit der weltweit steigenden Nachfrage nach Fisch ist auch das Ausmaß der Fischerei gestiegen – und das hat dazu geführt, dass die Fischbestände schrumpfen.

Dabei ist das Fischen an sich gar nicht das Problem, denn es gibt Fischereien, die verantwortungsbewusst und nachhaltig fischen. Aber wenn eine Fischerei nicht gut gemanagt wird, kann sie zerstörerische Auswirkungen haben.

Wenn von einer Fischart – meist einer, die wir gerne essen – zu viel gefischt wird, können die Fische sich nicht mehr schnell genug vermehren, um ihre Anzahl wieder auf ein gesundes Niveau zu bringen. Dann beginnt der Fischbestand zu schrumpfen. Das nennt man ‚Überfischung‘.

Heute ist fast ein Drittel der weltweiten Fischbestände überfischt.

Das ist eine Menge Fisch, den wir verlieren! Wenn nichts getan wird, um diesen Rückgang zu verhindern, besteht die Gefahr, dass einige Arten für immer verschwinden.

2. Beifang

Überfischung ist jedoch nicht der einzige Grund, warum Fischbestände schrumpfen. Ein weiteres Problem ist der sogenannte Beifang. Als Beifang werden Fische und andere Meerestiere bezeichnet, die ein Fangschiff unbeabsichtigt fängt, also nicht fangen will bzw. sollte.

Das können Meerestiere wie zum Beispiel Seevögel, Haie oder Meeresschildkröten sein. Zum Beifang gehören aber auch Fische, die noch zu jung und klein sind und besser im Meer gelassen werden sollten, damit sie weiterwachsen können.

3. Illegale Fischerei

Illegale Fischerei stellt eine weitere Bedrohung für die Fischbestände dar.

Und was genau bedeutet illegale Fischerei?

In der Regel geht es dabei um folgende Problematiken:

  • Ohne die richtigen Lizenzen und Genehmigungen – wie etwa eine zugeteilte Fangquote – fischen
  • Bei den Behörden weniger Fisch angeben, als tatsächlich gefangen wurde
  • Fischarten fangen, die nicht gefangen werden dürfen
  • In Gebieten fischen, in denen nicht gefischt werden darf
  • Mit unerlaubten Fangmethoden fischen

Der Weg, den ein Fisch vom Meer bis auf den Teller zurücklegt, ist komplex und nicht immer gut nachzuvollziehen. Das bedeutet, dass wir vielleicht illegal gefangenen Fisch essen, ohne es überhaupt zu merken.

Da die illegale Fischerei im Verborgenen stattfindet, wissen wir nicht, was sie uns und die Ozeane wirklich kostet.

Aber einige Wissenschaftler glauben, dass jedes Jahr Fisch im Wert von bis zu 22 Milliarden Euro illegal an Land gebracht wird.

4. Zerstörerische Fischerei

Einige Gebiete im Meer, die auch Laichgebiete und Lebensräume von Fischen sind, sind sehr empfindlich und können durch bestimmte Fangmethoden beschädigt werden. Zu den zerstörerischsten Fangmethoden gehören die Fischerei mit Cyanid und die Verwendung von Sprengstoff.

Cyanid ist eine Art Gift auf Basis von Blausäure, das in Korallenriffen verwendet wird, um Fische zu betäuben, damit sie leichter gefangen werden können. Für jeden lebenden Fisch, der auf diese Weise gefangen wird, kann ein ganzer Quadratmeter Riff abgetötet werden.

Eine andere zerstörerische Fangmethode ist die Fischerei mit Sprengstoff, der unter Wasser gezündet wird. Dadurch werden Fische getötet und treiben an die Oberfläche, wo sie leicht mit dem Netz abgefischt werden können. Leider kann diese Art der Fischerei die Unterwasserwelt völlig zerstören. In Teilen Südostasiens hat die Fischerei mit Dynamit zum Verlust großer Teile der Korallenriffe beigetragen.

Schaut euch die beiden Grafiken hier unten an. Wie haben sich zwischen 1950 und 2016 die weltweiten Fischfänge verändert? Sind sie angestiegen? Oder gesunken? Um wie viel Prozent?

Und wie haben sich die globalen Fischbestände entwickelt? Diejenigen die überfischt sind, diejenigen die maximal nachhaltig (also aus fischereiwissenschaftlicher Sicht optimal) befischt werden und diejenigen, die unterfischt werden? Was könnte der Grund für diese Entwicklung sein?

Wie können wir die Fischbestände für die Zukunft erhalten?

Fischen für die Zukunft

Ich weiß, dass mein Vater dafür sorgt, dass er die Fischbestände, die er fängt, nicht überfischt und dass er sich um die Meeresumwelt kümmert. Mein Vater sagt, er fischt nachhaltig.

Aber was bedeutet das genau?

Nachhaltige Fischerei bedeutet, genügend Fische im Meer zu lassen, damit immer wieder junge Fische nachwachsen können. Es bedeutet auch, den Schaden für die Meeresböden und Pflanzen und für die anderen Meeresbewohner zu minimieren.

Und es bedeutet, dafür zu sorgen, dass die Menschen, die vom Fischfang abhängig sind, ihre Existenzgrundlage behalten.

Um nachhaltig zu fischen, müssen mein Vater und die anderen Fischer so viel wie möglich darüber wissen, was genau in ihren Netzen landet und wie das Ökosystem aussieht, in dem sie fischen.

Deshalb arbeiten sie mit Wissenschaftlern zusammen, die ihnen helfen zu verstehen, wie sich Fischbestände und die Populationen anderer Meeresbewohner im Ökosystem im Laufe der Zeit verändern.

Dafür schauen sie sich zu einer bestimmten Fischerei jede Menge Zahlen an, zum Beispiel Vermehrungs- und Sterberaten der Fische und Daten zu ihren Wanderungen in ein Fanggebiet hinein- und wieder hinaus.

Aus all diesen Informationen berechnen sie dann den so genannten „höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrag“. Diese Zahl zeigt den Fischern an, wie viel Fisch sie fangen können, ohne zu überfischen.

Der höchstmögliche nachhaltige Dauerertrag ist ganz schön kompliziert! Schaut euch das kurze Video an und findet heraus, was er bedeutet.

Die Fischerei meines Vaters nutzt dieses Wissen, um die richtige Menge an Hering zu fangen, einen kleinen silber-glänzenden Fisch. Obwohl es in den Gebieten, in denen sie fischen, viel Hering gibt, wollen sie nicht zu viele Fische fangen.

Das ist auch der Grund, warum das Steuerhaus seines Schiffs wie ein Raumschiff aussieht! All diese Monitore, Armaturen und Geräte helfen ihm, den richtigen Fisch und die richtige Menge davon zu fangen.

Deshalb verwendet er auch spezielle Netze mit großen Maschenöffnungen, durch die die Fische, die nicht gefangen werden sollen, entkommen können.

Wenn ihr eine Virtual Reality-Brille* wie beispielsweise Google Cardboard zur Verfügung habt, setzt diese Brille jetzt auf und geht bei meinem Vater an Bord auf Entdeckungsreise.

Ihr könnt euch die speziellen Netze anschauen, die seine Fischerei verwendet, einen Blick in das raumschiffartige Steuerhaus werfen, die Räume unter Deck erkunden und dabei zusehen, wie der Hering entladen wird, wenn das Schiff in den Hafen zurückkehrt!

* Es ist kein Problem, wenn ihr keine spezielle Virtual Reality-Brille zur Verfügung habt. Ihr könnt euch trotzdem auf dem Schiff umsehen, indem ihr euch das Video auf einem Smartphone anschaut und die Fotos unten durchblättert.

360-Grad-Tour durch das Schiff meines Vaters

Da ihr nun gesehen habt, wie mein Vater fischt, wird es Zeit, dass wir herausfinden, wo genau er seinen Fisch fängt. Dazu verwenden wir wieder die interaktive Online-Karte von Global Fishing Watch mit der Schiffssuchfunktion.

1.     Genau wie in Übung eins, geht zur Seite http://globalfishingwatch.org/map/ und meldet euch an.

2.     Dann klickt oben rechts auf dem Bildschirm auf den Menüpunkt „Vessels“ und gebt den Begriff „Immac“ in das Suchfeld ein. Der Name der Seite für das Schiff meines Vaters ist F/V G IMMACULEE. Wenn ihr darauf klickt, zeigen euch die rosa Spuren, wo genau er von 2012 bis letzte Woche gefischt hat!

3.     2018 hat mein Vater mit seinem Fangschiff eine längere Reise gemacht, weit weg von den Gebieten, wo er normalerweise fischt. Findet anhand der Karte heraus, wo genau er hingefahren ist und beschreibt seine Reise in ein paar Sätzen. Entlang welcher Küste von welchem Land und in welche Richtung ist er gefahren? Und was glaubt ihr, war der Grund für seine Reise, wenn ihr daran denkt, was ihr im Film gelernt habt?

Unsere Weltmeere schützen

Seit Generationen fängt die Fischerei meines Vaters Hering auf ähnliche Art und Weise. Da der Hering nicht am Meeresboden schwimmt, berühren auch die Netze, die beim Heringsfang eingesetzt werden, den Meeresboden nicht und fügen den Lebensräumen am Boden so gut wie keinen Schaden zu. Und weil Heringe in dichten Schwärmen schwimmen, die nicht mit anderen Arten gemischt sind, ist auch der Beifang sehr gering.

Aber jeder Fisch und jede Fischerei ist anders. Deshalb müssen oft unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden, um eine Fischerei nachhaltig zu gestalten. Lasst uns gemeinsam einige dieser Maßnahmen anschauen.

1. Meeresschutzgebiete

Meeresschutzgebiete sind Teile des Ozeans, in denen bestimmte Aktivitäten im oder auf dem Wasser teilweise oder ganz verboten sind.

Das gilt teilweise auch für die Fischerei: In einem sogenannten Fischerei-Ausschlussgebiet ist die Fischerei entweder nur eingeschränkt oder gar nicht erlaubt. Nach einigen Jahren haben sich die Fischbestände in solch einem Gebiet erholt und die Fische wandern in die umliegenden befischten Gebiete ein.

Es gibt mehr als 14.000 Meeresschutzgebiete auf der ganzen Welt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sowohl der Mensch als auch die Natur von Meeresschutzgebieten profitieren können, weil Fische und Fischbestände sich dort erholen und wachsen können.

Doch leider schützen viele Meeresschutzgebiete die Natur gar nicht wirklich: Weltweit gibt es viele Gebiete, die zwar „Meeresschutzgebiet“ heißen, aber in denen kaum Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden.

Das liegt oft daran, dass entweder zu wenig Geld vorhanden ist oder die notwendigen Verwaltungsstrukturen fehlen. Solche Gebiete werden als „Papier-Schutzgebiete“ bezeichnet, da sie im Prinzip nur auf dem Papier existieren und nicht wirklich zum Naturschutz beitragen.

Trotzdem gilt die Einrichtung von Meeresschutzgebieten als wirksamer Ansatz, der zum Schutz und Erhalt unserer Fischbestände für die Zukunft beitragen kann.

Schaut euch an, wie die Garnelenfischer in Grönland mit Wissenschaftlern aus London zusammenarbeiten, um mysteriöse Tiefseebewohner in einem neuen Meeresschutzgebiet zu schützen.

Der beste Weg, um mehr über Meeresschutzgebiete zu erfahren, ist über Protected Planet, einer interaktiven Website mit jeder Menge Informationen über Schutzgebiete auf der ganzen Welt, an Land wie auch im Meer.

  1. Schaut euch auf der Seite www.protectedplanet.net/marine die Karten und Abbildungen für die Meeresschutzgebiete an.
  2. Wo liegt das größte Meeresschutzgebiet der Welt und wie groß ist es? Warum könnte es schwieriger sein, ein Meeresschutzgebiet dieser Größe vor den deutschen Küsten einzurichten?
  3. Was ist die sogenannte „Grüne Liste“ und warum glaubt ihr, ist sie wichtig?

2. Beifang bekämpfen

Überall auf der Welt entwickeln Fischereien wie die von meinem Vater tolle neue Ideen, um ihren Beifang zu verringern.

In Schottland zum Beispiel haben die Schellfisch-Fischer in der Nordsee die Maschenweiten ihrer Netze vergrößert. Dadurch fangen die Fischer 60% weniger unerwünschten Kabeljau und auch den Beifang anderer Arten und junger Tiere konnten sie verringern.

Und an der Westküste Australiens haben die Langustenfischer an ihren Fangkörben spezielle Zugangssperren eingebaut, um zu verhindern, dass junge Seelöwen sich darin verfangen und verletzen oder sogar sterben. Das klappt richtig gut! Kein einziger Seelöwe verfängt sich heute mehr in den Langustenkörben.

Oft verfangen sich auch Seevögel in den Leinen der Fischer. Was man dagegen machen kann? Findet es heraus.

3. Der illegalen Fischerei den Kampf ansagen

Andere Fischer bekämpfen nicht nur ihren Beifang, sondern auch Piraten, die unsere Meere illegal ausbeuten.

Besonders erfolgreich darin waren die Fischer auf Schwarzen Seehecht. Jahrelang hatten skrupellose Fischpiraten die Seehecht-Bestände im Südlichen Ozean so stark geplündert, dass der Fisch schließlich völlig von der Speisekarte verschwunden war.

Um die illegalen Fischer zu stoppen, schlossen sich sechs große Fischereien in der Region zusammen und nahmen gemeinsam die Verteidigung des Schwarzen Seehechts auf. Sie verfolgten die Piraten weit auf das Meer hinaus, bis in die entlegensten Winkel.

Mittlerweile ist die illegale Fischerei im Südpolarmeer praktisch vollständig verschwunden und die Fischbestände konnten sich erholen. Deshalb hat der Schwarze Seehecht heute wieder einen festen Platz auf der Speisekarte.

4. Individuelle Fangquoten

Im Jahr 2001 stand die Grundfischfischerei an der Westküste der USA kurz vor dem Zusammenbruch, da ihre einst reichlich vorhandenen Fischvorräte überfischt waren.

Die Fischer holten ihre Fangboote aus dem Wasser und zerbrachen sich die Köpfe, wie sie ihre Fischerei retten könnten. Und kamen auf eine neue Idee: individuelle, übertragbare Fangquoten für jedes einzelne Boot oder Schiff.

Fangquoten werden auf Basis des höchstmöglichen nachhaltigen Dauerertrags berechnet, um die richtige Menge Fisch zu ermitteln, die von einer Fischart gefangen werden darf.

Aber anstatt nun jeden Fischer so viel fangen zu lassen, wie er kann und will, so lange, bis alle zusammen die gesamte Fangquote ausgeschöpft haben, bekommt nun jedes Fangboot oder -schiff einen individuellen, festen Anteil an der Gesamtfangmenge zugewiesen.

Das bedeutet, dass die Fischer ihren Anteil fangen können, wann sie wollen, oder ihn an andere Fischer verkaufen können, wenn sie selbst einmal nicht fischen können.

Wollt ihr mehr wissen? Auch in Australien gibt es das System der individuellen Fangquoten. Es hat die Langustenfischer vor einer gewaltigen Krise geschützt.

5. Fisch und Meeresfrüchte züchten

Wir müssen Fische und Meeresfrüchte nicht unbedingt fangen, wir können sie auch züchten. Das trägt dazu bei, den Druck auf die wild gefangenen Fische zu verringern. Die Zucht von Fisch und Meeresfrüchten heißt Aquakultur. Heute stammt bereits mehr als die Hälfte der Fische und Meeresfrüchte, die wir auf der ganzen Welt essen, aus der Aquakultur.

Eine verantwortungsvolle Fischzucht kann zur Existenzsicherung von vielen Menschen beitragen und dafür sorgen, dass wir gesunde und nahrhafte Lebensmittel zu uns nehmen können, vor allem in den Entwicklungsländern. Aber wenn die Fischzucht nicht unter sorgfältig kontrollierten Umständen stattfindet, kann sie der Umwelt und Tierwelt schaden.

Ein weiteres großes Problem bei der Aquakultur ist, dass viele Zuchtfische Raubfische sind und sich nur von anderen, kleineren Fischen ernähren können.

Das bedeutet: Aquakultur schafft oft keine neuen Fische, sondern wandelt nur kleine Fische, die von uns Menschen nicht so gern gegessen werden und deswegen nur einen geringen Marktwert haben, in große Fische mit einem höheren Wert um, die die kleinen vorher gefressen haben.

Wissenschaftler wollen diese kleinen Fische zunehmend durch alternative Fischfuttermittel aus Insekten oder Algen ersetzen, aber solche Alternativen haben sich bislang noch nicht vollständig durchgesetzt.

Seid ihr neugierig geworden? Hier könnt ihr mehr über Aquakultur erfahren.

6. Der kleine blaue Fisch

Nachhaltige Fischerei ist eine globale Herausforderung, der sich immer mehr Fischer stellen. Ihr Fisch landet in unseren Restaurants und Supermärkten, damit wir ihn kaufen und essen können.

Da wir es sind, für die der Fisch gefangen wird, sind wir Konsumenten ein Teil des Problems - aber wir können auch Teil der Lösung sein! Doch woher sollen wir wissen, welche Fische in den Geschäften oder im Restaurant nachhaltig gefischt wurden und welche nicht?

Das ist gar nicht so schwierig: Zusammen mit Hunderten von anderen Fischereien auf der ganzen Welt trägt die Fischerei meines Vaters das blaue MSC-Siegel. Das bedeutet, dass die Fischerei nach den strengen Nachhaltigkeitskriterien des Marine Stewardship Council, dem MSC, geprüft und zertifiziert wurde. Sie gilt offiziell als nachhaltig.

Der MSC ist eine unabhängige Organisation, die einen international anerkannten Kriterienkatalog  für nachhaltige Fischerei entwickelt hat und verwaltet. Anhand dieser Kriterien überprüfen unabhängige Experten, ob die Fischerei nicht zu viele Fische fängt, ob die Lebensräume im Meer und ihre Bewohner beim Fischfang keinen Schaden nehmen und ob die befischten Bestände groß genug sind.

Sobald alle diese Punkte gründlich überprüft wurden und festgestellt wurde, dass die Fischer alle Anforderungen erfüllen, erhalten ihre Fischprodukte ein kleines blaues Siegel mit einem weißen Fisch darauf. Anhand dieses Siegels können Verbraucher erkennen, dass ihr Fisch, ihre Garnelen oder ihre Muscheln verantwortungsvoll und nachhaltig gefangen wurden.

Diese Übung könnt ihr entweder in kleinen Gruppen oder alleine bearbeiten. Wählt einen der Lösungsansätze zum Schutz der Meere aus, die ihr in diesem Kapitel kennengelernt habt, und erstellt dazu eine Infografik, mit der ihr den Lösungsansatz dem Rest der Klasse erklären könnt. 

Ein guter Ausgangspunkt für eure Recherche sind die Links mit weiterführenden Informationen, die ihr am Ende eines jeden Lösungsansatzes findet. Aber ihr solltet auch versuchen, noch weitere Informationsquellen zu finden. Schaut euch doch auch mal die folgenden Videos und Websites an:

Was können wir alle tun, um zum Schutz und Erhalt unserer Meere beizutragen?